✆ 0 5121 / 16 77 0  |  ✉ zentrale@caritas-hildesheim.de

Vergessenen Kindern eine Stimme geben

Vorleseaktion zur Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien

Warum ist Boby so traurig? Die Geschichte des kleinen Hundes stand im Mittelpunkt einer Vorleseaktion in der Stadtbibliothek Hildesheim, zu der Drogenhilfe und Suchthilfe Kinder aus der Kita St. Vinzenz eingeladen haben.

Boby ist ein kleiner Hund, dessen Herrchen Fred ein Alkoholproblem hat. Wenn Fred wütend ist oder sich nicht um Boby kümmert, denkt der kleine Hund, dass es seine Schuld ist. Er verschließt seine Gedanken vor seinen Freunden und zieht sich aus Scham von ihnen zurück. „Die Geschichte des Hundes ist für die Kinder weit genug entfernt, dennoch so nah, dass sie sie nachvollziehen können“, erklärt Claudia Mierzowsky, Mitarbeiterin der Drogenhilfe. Gemeinsam mit Christiane Aßmann von der Suchthilfe hat sie diese Vorleseaktion im Rahmen einer bundesweiten Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien organisiert.  

Aufmerksam hören die Kinder der Geschichte von Boby zu, die Claudia Mierzowsky (links) und Christiane Aßmann (rechts) ihnen erzählen. Foto: Pohlmann/Caritas
Aufmerksam hören die Kinder der Geschichte von Boby zu, die Claudia Mierzowsky (links) und Christiane Aßmann (rechts) erzählen.

„Vergessenen Kindern eine Stimme geben“: Dieses Anliegen der Aktionswoche treibt auch Mierzowsky und Aßmann an: „Das Augenmerk richtet sich zunächst auf die Suchtkranken, die Kinder sind oft nicht im Blick.“ Bundesweit sind rund drei Millionen Kinder betroffen - und somit jedes sechste Kind.

„Diese Kinder sind eine unversorgte oder bestenfalls unterversorgte Gruppe der Gesundheits- und Sozialpolitik. Wenn Deutschland die betroffenen Kinder ohne Hilfen belässt, verspielt es als führende Industrienation seine Zukunft“, sagte der Leiter des Deutschen Instituts für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP) an der Katholischen Fachhochschule NRW, Prof. Dr. Michael Klein, auf der Pressekonferenz zur Eröffnung der Aktionswoche. Die internationale Forschung zeige, dass Kinder suchtkranker Eltern die größte Risikogruppe zur Entwicklung von Suchtstörungen bei Alkohol, Drogen und Verhaltenssüchten sind. Auch entwickeln sie sich häufiger zu Schul- und Bildungsversagern.

Nach jahrzehntelanger Vernachlässigung durch die Politik zeichnet sich eine mögliche Verbesserung ab. Im Koalitionsvertrag haben sich Union und SPD die Beseitigung von Schnittstellenproblemen vorgenommen. Diese verhindern bislang oft die Kooperation verschiedener Hilfesysteme wie Suchthilfe, Jugendhilfe und Gesundheitssystem zugunsten der Kinder.

Im Buch ist es ein befreundeter Hund, der Boby aus seiner Traurigkeit und Verschlossenheit hilft. „Die Kindergartenkinder haben heute gemerkt, dass es gut ist Freunde zu haben, Freund zu sein und dass auch Erwachsene helfen können“, betont Mierzowsky. Solche Freunde wünschen sich die Mitarbeiterinnen von Drogen- und Suchthilfe auch für betroffene Kinder. Daher werben sie dafür, aufmerksam zu sein und diese nicht allein zu lassen.

In Planung sind darum auch Fortbildungen für Mitarbeiterinnen in Kindertagesstätten und eine Bücherkiste zum Ausleihen. „Bücher sind gute Vermittler“, sagt Aßmann. Eine Auswahl geeigneter Literatur mit dem Blick auf den Umgang mit Suchterkrankungen in der Familie steht derzeit anlässlich der Aktionswoche auf einem eigenen Büchertisch in der Hildesheimer Stadtbibliothek zur Verfügung. Doch auch darüber hinaus gibt es hier ein vielfältiges Angebot an Büchern, die sich mit dem Thema Sucht beschäftigen.

„Es ist ein schweres, aber auch wiederum ein ganz normales Thema, dass alle Menschen im Blick haben sollten, auch Kinder“, sagt Mierzowsky. Man könne Kinder nicht davor schonen, ergänzt Aßmann: „Sie bekommen alles mit und sind oft die Leidtragenden.“

Mit rund 120 Veranstaltungen und Aktionen in 69 deutschen Städten unterstreicht die bundesweite Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien die Forderung nach einem flächendeckenden, regelfinanzierten Hilfesystem. Hilfeeinrichtungen, Initiativen, Projekte und die Verbände der Sucht-Selbsthilfe erheben gemeinsam ihre Stimme für die vergessenen Kinder. Die Aktionswoche findet zeitgleich auch in den USA, und Großbritannien statt. In Deutschland steht sie unter der Schirmherrschaft der Schauspielerin Katrin Sass.  Die Aktionswoche wird gefördert von der Kaufmännischen Krankenkasse.

Weitere Informationen: www.coa-aktionswoche.de